Sechs Tage New York

Reisebericht
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Donnerstag, 15. November 2007

Es war unser letzter Tag in New York und das Wetter trug nicht gerade zu unserer Aufheiterung bei. Wir frühstückten wie üblich nebenan und gingen dann ziellos nach Norden; für ein ausgedehntes Programm reichte die Zeit nicht mehr, denn unser Rückflug sollte um 17.45 Uhr starten. Vor einem CD-Laden machten wir halt und stöberten. J. und ich kauften uns jeweils eine CD als Souvenier, S. hatte sich bereits ein Oberteil gekauft und wollte hier kein Geld mehr ausgeben. Als wir das Geschäft verließen, fing es an, in Strömen zu regnen. Wir kamen nur ein paar Meter weit, bevor wir völlig durchnässt waren. In einem Drogeriemarkt kaufte S. ein paar Süßigkeiten und wir Männer waren froh, fürs Erste im Trockenen zu stehen.

In der Herberge verabschiedeten wir uns von unserem Zimmernachbarn. Er wollte erst am nächsten Tag abfliegen nach Montreal, der nächsten Station auf seiner Weltreise. Dort hatte er geplant, sich mit einem Kumpel ein Auto zu mieten und nach Süden zu den Niagarafällen zu fahren, um anschließend Vancouver zu besuchen und dann via Flugzeug Hawaii. Wir befolgten seinen Tipp, Chelsea zu besuchen. Es war aber unspektakulär, außerdem ging uns der nicht enden wollende Regen auf die Nerven. In einem Lokal stärkten wir uns für den Flug mit riesigen Hamburgern und Toast mit Käse. Es ging noch einmal zurück in die Herberge und dann zum Flughafen. Diesmal nahmen wir Linie E, die uns schneller zum Airtrain brachte als Linie A.

Das Einchecken verlief wesentlich schneller als in Düsseldorf und so hatten wir noch viel Zeit übrig, die wir damit verbrachten, etwas zu trinken zu kaufen und die Menschen im Flughafen zu beobachten. An der Gepäckkontrolle mussten alle Passagiere ihre Schuhe ausziehen und auf das Band legen. Ein leises Kichern konnten wir nicht unterdrücken, als wir sahen, wie die Beamte hinter dem Apparat zu ihrer Kollegin gequält „oh my god, man!“ sagte, noch einmal laut stöhnte und dann mit Desinfektionsmittel um sich sprühte. Ist sie damit auch ein Opfer von 9/11? Das Lachen verging uns leider, denn Witze, vor allem über Bomben, stehen hier unter Strafe.

Im Flugzeug verpasste ich die Gelegenheit, einen freien Fensterplatz in Anspruch zu nehmen — ich Idiot hätte Fotos von Manhattan bei Nacht machen können! Wir blieben also in der mittleren Reihe sitzen und verbrachten die Zeit schlafend und mit den Bordfilmen; „4: Rise of the Silver Surfer“ verschlief ich absichtlich, aber „Waitress“ sah ich mir an. Der Film gefiel mir ausgesprochen gut, allerdings wurde ich traurig, als ich daran denken musste, dass die Regisseurin und Nebendarstellerin Adrienne Shelly vor einem Jahr in ihrer New Yorker Wohnung von einem Bauarbeiter erwürgt wurde.

Unsere Landung in Düsseldorf verspätete sich etwas. Als wir ausstiegen, pfiff uns ein eisiger Wind um die Ohren und wir wurden freundlich begrüßt. In Deutschland war bereits tiefster Herbst. Wir fuhren zum Düsseldorfer Hauptbahnhof und von dort aus trotz des Bahnstreiks ohne weitere Schwierigkeiten nach Berlin. Dort mussten J. und ich am Hauptbahnhof aussteigen, während S. trotz des Streiks ihr Glück am Ostbahnhof versuchte. Mein Eurocity nach Dresden fiel wie erwartet aus, mir wurde aber ein Ersatzbus versprochen, auf den ich noch zwei Stunden warten musste. J. leistete mir so lange Gesellschaft. Als der Bus endlich eintraf, warteten bereits viele enttäuschte Reisende und ich musste ein paar englische Mädchen beiseite schieben, um noch einen Platz zu bekommen. Im Bus vertrieb ich mir die Zeit mit Geschichten des großartigsten Mannes aller Zeiten und war nach weiteren dreieinhalb Stunden endlich zu Hause in meiner ausgekühlten Wohnung. Ich konnte mich nicht mehr daran erinnern, wie dieser Tag in New York begonnen hatte. Die Stadt war plötzlich so weit weg. Sicher war ich mir nur mit einem: sie hat uns nicht zum letzten Mal gesehen.